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Gemeinde Neunkirchen a.Sand  |  E-Mail: info@neunkirchen-am-sand.de  |  Online: http://www.neunkirchen-am-sand.de

 

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Letzte Änderung:
20.05.2016
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Archäologischer Wanderweg

Hügelgrab am archäologischen Wanderweg

Der Archäologische Wanderweg der Gemeinde Neunkirchen am Sand ist einer der meistgegangenen Spazierweg im Nürnberger Land. Er zieht Besucherscharen unter anderem aus Nürnberger Betrieben, Behörden und Schulen an.

 

Der Umfang der Informationen wurde durch das Anbringen zweier weiterer Tafeln erweitert. Am Wasserhochbehälter des Ortes Speikern findet man ein Grabhügelmodell mit einer umgebenen Steinsetzung und ein weiteres Modell einer Grabkammer aus der Hallstattzeit. Eine Informationstafel gibt nun Auskunft über Grabhügel jener Kulturepoche, die sich in der Grabhügelgruppe im Schallerholz präsentiert.

 

Grabhügel, wie sie in der Nähe von Speikern, Kersbach und Rollhofen gefunden wurden, sind in den meisten Fällen der "Hallstattzeit" (750 - 500 v. Chr.) zuzuordnen. Der namensgebende Ort liegt in Österreich. Am Anfang dieser Kulturepoche kannte man sowohl die Brand- als auch die Körperbestattung. Die oft riesigen Stein- und Erdmengen, die für den Bau dieser Hügel notwendig waren, lassen auf eine große Zahl von Untertanen wichtiger und einflussreicher Frauen und Männer schließen. Einfache Leute wurden unter kleineren Hügeln bestattet oder in Erdgruben ohne Hügelaufschüttung beigesetzt. In den meisten Fällen waren die Grabhügel mit einem Steinkreis oder mit eine, flachen Graben umschlossen. Ein so umfriedetes Grab galt als heiliger Bezirk.

 

Die Grabkammer im Hügelinnern bestand aus einem Holzeinbau, der als "Haus des Toten" anzusehen ist. Zur Stabilisierung war dieses mit Baumstämmen überdacht und in vielen Fällen ganz mit Steinen ummantelt. Der Tote ruhte inmitten von Ausrüstungsgegenständen (Grabbeigaben) für ein Leben im Jenseits, meist in einer Lage, die auf die Verehrung der Sonne hinweist. Über und neben den Grabkammern oder sogar neben den Hügeln können Nachbestattungen vorkommen. Auch Brandgräber wie sie in der vorangegangenen Urnenfelderzeit (1250 -750 v. Ch.) üblich waren, werden in der Hallstattzeit noch immer angelegt. Mitunter kennzeichnete die Stelle ein aufrecht gestellter Stein.

 

Die Toten wurden in ihrer Kleidung beigesetzt. Zur Ausstattung der Frauengräber gehörten neben den üblichen Gefäßen Gegenstände, die in einem technisch aufwendigen und komplizierten Verfahren hergestellt wurden: Fibeln, Gürtelschnallen, Arm- und Fußringe, Messer...

 

Die Männer erhielten hin und wieder Waffen und Pferdezaumzeug in die Grabkammer gelegt. Ganze Pferdegespanne mit einem dazugehörigen Wagen sind als Grabbeigaben jedoch selten. Die gleichzeitige Ausbreitung einer neuen Religion wie die Einführung einer neuen Pferderasse beeinflussen die Entwicklung einer veränderten Gesellschaft. Das "Speikerner Reiterlein", rund 1800 m südwestlich von hier gefunden, ist gewissermaßen ein Symbol der hier ansässigen Völkerschaften, die später von den Römern "Kelten" genannt werden.

 

Die Keramik dieser Epoche hebt sich wegen ihrer Farbigkeit von der Keramik anderer vorgeschichtlichen Epochen wohltuend ab. Sie ist oft kunstvoll mit Ritzlinien, Stempelaufdrucken oder einer zusätzlichen Bemalung verziert. Das Vorkommen von Importkeramiken weist auf weitreichende Handelsbeziehungen bis in den Mittelmeerraum hin; diese lassen aus heutiger Sicht kulturelles und wirtschaftliches Geschehen wie landschaftlich differenzierte Modeströmungen in Kleidung und Hausrat innerhalb unseres Gebietes erkennen. Überraschend ist auch, dass dieses hier ansässige Volk vom griechischen Geschichtsschreiber Herodot (485 bis 425 v. Chr.) bereits erwähnt wird.

 

Bevor man von der Nordseite durch ein Felsengewirr steil bergwärts zum Felsmassiv des Glatzensteins kommt, findet man auf halber Höhe zur Hochfläche links des Weges ein in den Hang hineingebautes ringförmiges Mauerwerk: die Fundamente eines bäuerlichen Kalkofens. Auch hier gibt eine weitere Informationstafel Hinweise.
Hier handelt es sich um einen sogenannten Kuppelofen zum Brennen von Kalk, dem Vorläufer von Zement. Sein Fundament wurde aus praktischen gründen in den Berghang hineingebaut, um dem Druck beim betrieb des Ofens entgegenzuwirken, also ein Platzen und Auseinanderbrechen der Anlage zu verhindern. Das ringförmige Fundament hatte talwärts bis zum Boden eine Öffnung, um Asche und verbrauchte Glut entfernen zu können. Auf diesem Fundament wurde oberhalb der Befeuerungsöffnung ein Gitter aus Eisenstäben gelegt, welches das zu erhitzende Kalkgestein zu tragen hatte. Bis etwa zum Jahre 1750 soll dieses Eisengittersystem verwendet worden sein. Dann wurde durch eine Aufschichtung des zu brennenden Materials in festen gemauerten Öfen die Kalkbrennerei kostengünstiger und schneller durchgeführt. das bis dahin verwendete Eisengitter war überflüssig geworden. Vereinzelt haben Bauern, die ihren Kalk selbst brannten, in Notzeiten jedoch bis 1950 nach dem gleichen Verfahren gearbeitet.

 

Auf das Eisengitter wurde der Kalkstein, der hier am Glatzenstein gebrochen wurde, so aufgelegt, dass die größeren Steine nach innen und das Kleinmaterial an der später entstehenden Außenwand zu liegen kamen. Auf einer dünnen Strohauflage, die um die ganze Außenwand gelegt wurde, verschmierte man die Hülle mit nassem Lehm, der ebenfalls Kalksteinbrocken enthielt. In die große Lehmkuppel wurden zur Steuerung des Brennvorganges verschließbare Luft- und Zuglöcher eingelassen. Das später zur Asche verbrannte Strohpolster bildete zwischen den zu brennenden Kalksteinen und Kuppel eine Trennschicht. Diese Ofenladung zerfiel bei einer Temperatur von rund 1 000 Grad Celsius geräuschvoll in kleine Stücke und schrumpfte dabei auf rund 56 % ihres Volumens; der Statik der Kuppel konnte dies nichts mehr anhaben. Rund 44 % des Kalkgesteins gingen beim Brennvorgang in Form von Dämpfen und Gasen durch die schon erwähnten Luft- und Zuglöcher verloren. Bei älteren Öfen dauerte der Brennvorgang eineinhalb bis fünf Tage unter Verbrennung von Unmengen an Holz. Bei den weiterentwickelten späteren frühindustriellen Kalköfen benötigte man vergleichsweise nur noch 12 Stunden.

 

Nach Abschluss des Brennvorganges wurde der ganze Kuppelofen bis auf die Fundamente abgebrochen und das nicht völlig zu Ätzkalk (Brandkalk/Löschkalk) umgewandelte Material wieder für eine neue Ofenfüllung verwendet. Der Ofen selbst musste dann ab dem Fundament neu aufgemauert werden. Heute würden wir ihn als "Wergwerfofen" bezeichnen. Die Ätzkalk-Stücke wurden in Gruben oder Wannen mit Wasser gelöscht. Dabei quoll der Löschkalk zur dreifachen Menge seines Volumens auf. Diese Masse musste bei Errichtung wichtiger Bauten wie Festungswerke, Stadtmauern, Kirchen usw. bis zu 10 Jahre unter Wasserabdeckung lagern, um dann mit Sand vermischt als Mörtel verwendet zu werden. Zuwiderhandlungen konnten bestraft werden. Um 1 000 kg Kalkgestein zu Ätzkalk zu brennen, verwendete man 1 000 kg Holz, das sind 2 bis 3 Kubikmeter. Das Endprodukt mit einem Gewicht von rund 500 kg Ätzkalk hätte heute in zehn handelsüblichen Papiersäcken Platz.

 

1824 wurde der Zement erfunden. der wesentlichste Vorteil dieses neuen Stoffes gegenüber Kalk ist die Aushärtung auch unter Wasser. Er erleichtert die Errichtung von Brücken und anderen Wasserbauwerken enorm. Ein weiterer Unterschied besteht zwischen Kalk-Beton und Beton aus Zement: Während Beton aus Kalk durch nochmaliges Brennen im Kalkofen wieder zu Ätzkalk oder Löschkalk zurückverwandelt werden könnte (der enthaltene Sand lässt jedoch von einem solchen Verfahren abraten), kann man Zementbeton auf diesem Weg nicht mehr wiederverwenden.

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