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Wolfshöhe

Am Fuße des Rothenberges, östlich von Schnaittach, lag schon von altersher eine kleine Ziegelei, die vor allem Mauersteine und Kalk brannte und die nähere Umgebung, unter anderem auch die Festung Rothenberg, mit diesen versorgte. Diese Ziegelei ging anfangs des vorigen Jahrhunderts erblich in den Besitz des nachmaligen Gründers der Wolfshöhe, Lorenz Wolf, über. Dieser dehnte den Absatz der Ziegelei weiter aus und belieferte so auch das Gaswerk in Nürnberg mit seinen Erzeugnissen. Hier lernte er nun erstmals feuerfeste Steine kennen, die in größerem Umfange zum Bau von Feuerungen und Retorten benötigt wurden und zu sehr hohen Preisen aus England bezogen wurden mussten. Sie erregten sofort sein besonderes Interesse, da ihm einfiel, dass er auf seinem Wege nach Nürnberg schon des öfteren Spuren hellen Tones beobachtet hatte. Angestellte Brennversuche ergaben, dass es sich hier tatsächlich um feuerfesten Ton handelte und in Zusammenarbeit mit dem Gaswerk durchgeführte Versuche bestätigten die Brauchbarkeit der aus diesem Tone hergestellten Steine.

Lorenz Wolf erkannte seine Chance und erwarb auf dem jetzigen Gelände der Wolfshöher Tonwerke die ersten Grundstücke. So wurde im Jahre 1856 durch die Errichtung eines sogenannten "Altdeutschen Ofens" der erste Grundstein zur Aufnahme der Chamotte-Fabrikation gelegt und damit wurden die Wolfshöher Tonwerke zu einem der ältesten deutschen Hersteller von feuerfesten Erzeugnissen überhaupt. Um sich seiner neuen Aufgabe intensiv widmen zu können, baute Lorenz Wolf hart an der Straße jenes noch heute bestehende kleine Wohnhäuschen und setzte sich mit aller ihm eigenen Energie und Zähigkeit im Rahmen der damals gegebenen einfachen Mittel und Methoden für die Entwicklung seines Werkes ein. Dadurch, dass er die Schnaittacher Ziegelei schon frühzeitig an seinen ältesten Sohn übergab und mit seiner Familie zum Standort seiner neuen Unternehmung übersiedelte, verknüpfte er von nun an sein Schicksal ganz mit seiner Gründung. Im Jahre 1869 stellte er den Antrag, die Siedlung auf der Rollhofener Höhe nach seinem Namen "Wolfshöhe" zu benennen, was ihm auch vom Bayrischen Staate genehmigt wurde.

Lorenz Wolf, konnte die Fortentwicklung und Festigung seines Werkes noch bis zum Jahre 1878 selbst leiten und lenken. So wurde bereits 1870 die erste Dampfmaschine aufgestellt und 1875 der erste Ringofen erbaut und in Betrieb genommen. Im Todesjahr des Gründers, 1878 ging das noch kleine aber in guter Entwicklung befindliche Werk auf dessen jüngsten, damals 22jährigen Sohn Georg Wolf über. Dieser hatte nach seiner Schulausbildung bereits im Werk bei allen Tätigkeiten praktisch mitgearbeitet und war daher trotz seiner Jugend schon im Besitze umfassender Kenntnisse und Erfahrungen. Dank seiner ausgesprochenen technischen Veranlagung gelang es ihm schon in den ersten Jahren, bedeutende maschinelle Verbesserungen durchzuführen und so Qualität und Leistung der Fabrik wesentlich zu steigern. Vorallem auf dem Gebiete der Ofentechnik war Georg Wolf sehr erfolgreich, er baute in seinem Betriebe einen Ofen mit überschlagender Flamme nach neuem System, das als "System Wolf" patentiert, im Im- und Ausland vielfach zur Ausführung kam und sich gut bewährte. Vor allem gab es ihm die Möglichkeit, in den 80-er Jahren die Herstellung hochwertiger Eisenklinker, ein schon damals viel gefragter und aussichtsreicher Artikel, mit Erfolg aufzunehmen.

Der Neubau der Bahnlinie Schnaittach - Simmelsdorf im Jahre 1897 brachte dem nun "Tonwerke Wolfshöhe" benannten Betrieb die große Chance, einen Bahnanschluß zu erhalten, ein in der damaligen Zeit ohne Kraftwagen nicht zu unterschätzender Vorteil. Von diesem Zeitpunkt an ist denn auch ein besonders rascher Aufschwung des Werkes festzustellen. Unmittelbar neben der Bahnstation Rollhofen wurde ein neuer Betrieb errichtet und der Schwerpunkt verlagerte sich im Laufe der Entwicklung immer mehr in das nunmehrige Werk II (Ansicht aus dem Jahr 1906 - 34kB). Hier wurde die Herstellung der feuerfesten Erzeugnisse konzentriert, während im Werk I ausschliesslich Klinker hergestellt wurden. Einen weiteren wesentlichen Auftrieb erhielt das Unternehmen durch den im Jahre 1902 durchgeführten Kauf der Tonlager in Grossbellhofen ( Webseiten von Martin Sembach), wodurch Georg Wolf die sichere Rohstoffbasis für seine Fabrikation schuf, die auch heute noch, durch Zukäufe erweitert, die Grundlage gleichbleibender Qualität und Zuverlässigkeit der Erzeugnisse der Firma bildet. Im Jahre 1903 wurde eine bereits in Großbellhofen bestehende Ziegelei übernommen und ausgebaut, jedoch im Jahre 1920 aus verkehrstechnischen Gründen wieder aufgelassen und die Produktionsmittel ebenfalls nach Wolfshöhe verlegt.

Der Absatz der Erzeugnisse dehnte sich allmählich in immer weitere Gebiete aus, so dass bis zum Beginn des ersten Weltkrieges bereits ganz Süddeutschland, die nördliche Schweiz und das westliche Österreich zum Absatzgebiet der Firma zählten. Zu dieser Zeit waren etwa 200 Personen beschäftigt, die Jahresproduktion betrug damals schon 25000 Tonnen der verschiedenen Tonwaren. Im Jahre 1911 wurden die drei Söhne, Lorenz, Jakob und Georg Wolf nach erfolgter technischer und kaufmännischer Ausbildung unter Gründung der " Wolfshöher Tonwerke GmbH." an der Firma beteiligt. Die damit beginnende neue Entwicklungsperiode erlitt eine jähe Unterbrechung durch die Kriegs- und Nachkriegsereignisse. Jedoch wurde trotz aller Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Inflations- und Depressionsjahren durch Steuern eines folgerichtigen und vorsichtigen Kurses die erreichte Position im Markt behauptet und durch vorausschauende Verbesserung und Vervollkommnung aller Betriebseinrichtungen die Marktstellung des Unternehmens gesichert. Bis zu seinem tragischen Tode am Weihnachtsabend des Jahres 1936 leitete Lorenz Wolf die Verkaufsstelle der Firma in München, während Jakob Wolf die technische und Georg Wolf die kaufmännische Leitung in Wolfshöhe wahrnahmen.

Der Seniorchef des Werkes konnte noch bis zu seinem Tode im Jahre 1939 mit dem Schatz seiner über 50 jährigen, reichen Erfahrungen seinen Söhnen zur Seite stehen. Dank des soliden Fundamentes auf dem die Wolfshöher Tonwerke sowohl in finanzieller als auch technischer Beziehung ruhte, konnten die Rückschläge, welche im Gefolge des zweiten Weltkrieges eintraten, die Grundlagen der Firma nicht erschüttern. Trotzdem praktisch ein Jahrzehnt lang kaum technische und maschinelle Verbesserungen vor genommen werden konnten, war nach Überwindung der äußeren Schwierigkeiten wie Kohlemangel, der zeitweilig bei Kriegsende sämtliche Öfen zum Erlöschen brachte, doch die innere Kraft des Unternehmens ungebrochen und in den Jahren des allgemeinen Wiederaufstieges nach der Währungsumstellung 1948 konnte eine ganze Reihe wichtiger Maßnahmen, die vor allem der Rationalisierung, der Produktion und der Qualitätsverbesserung dienten, mit Erfolg durchgeführt werden. Nicht zuletzt wurde diese schnelle Überwindung der Kriegsfolgen ermöglicht durch die Treue und Zuverlässigkeit eines Stammes von Angestellten und Arbeitern, die auch in den Zeiten von Zigarettenwährung und Schwarzhandel ihre Pflicht erfüllten. Härter waren die Schläge, welche die Wolfshöher Tonwerke in personeller Hinsicht durch den Krieg und in der Folgezeit trafen. Nachdem bereits im Jahre 1935 der Sohn von Herrn Lorenz Wolf, der bereits als Betriebsleiter im Werk tätig war, starb, kehrten aus Rußland die beiden Söhne von Herrn Georg Wolf jr., Max und Ottmar nicht mehr zurück. Im Jahre 1946 starb auch Herr Geor Wolf jr. selbst, hart betroffen von dem Schicksal seiner beiden Söhne. Die kaufmännische Leitung übernahm daraufhin der Schwiegervater des vermißten Max Wolf, Herr Wilhelm Molfenter als Geschäftsführer. Als Einziger der vierten Generation der Familie Wolf trat nach Rückkehr aus dem letzten Kriege Herr Hubert Wolf in die Firma ein. Nach Abschluß seines Studiums an der Wirtschaftshochschule Nürnberg und praktischer Tätigkeit wurde er im Jahre 1954, zum Geschäftsführer bestellt. Außerdem wurde Herrn Georg Taufer der bereits seit langem kaufmännisch in der Firma tätig ist, im Jahre 1946 Prokura erteilt. Als Einziger der Gebrüder Wolf kann in diesem Jubiläumsjahre leider nur noch der derzeitige Seniorchef, Herr Jakob Wolf, mit Stolz und Genugtuung auf die hundert Jahre des Bestehens zurückblicken, an denen

So ist die Geschichte der Wolfshöher Tonwerke zugleich eine Geschichte der Familie Wolf. Jedoch ist ebenso eng die Geschichte von vielen Arbeitern mit dem Werke verknüpft, die teilweise auch schon in der dritten und vierten Generation tätig sind. Durch deren stetige Treue und Pflichterfüllung war es erst möglich, dass der große Reichtum an Erfahrungen, der sich im Laufe eines Jahrhunderts ansammelt, immer wieder von Generation zu Generation weitergegeben wurde, und so ein zuverlässiger Stamm von erfahrenen Kräften zur Verfügung steht. Heute umfasst das Produktionsprogramm der Wolfshöher Tonwerke mengenmäßig zu etwa gleichen Teilen feuerfeste Steine und Klinker. Die Herstellung der feuerfesten Steine stützt sich auf zwei gasbeheizte Kammer-Ringöfen, und erstreckt sich auf alle handelsüblichen Chamotte-Qualitäten. Die Basis der Fabrikation bilden die werkseigenen Rohstoffvorkommen von Großbellhofen, welche die Versorgung von feuerfesten Tonen stets gleichbleibender Qualität und Eigenschaft sicherstellen. Für Spezialfertigungen und Qualitäten höchster Feuerfestigkeit werden Rohstoffe zusätzlich bezogen und teilweise importiert. Allein das normale gut sortierte Lager umfasst mehr als hundert verschiedene, Gebrauchssorten, wie Normalsteine, Keilsteine, Hafnerplatten, große Platten, Backofenplatten, Ausgleichplättchen, Rillensteine, Chamotte-Ofenrohre usw. Dazu kommen noch die nach Zeichnungen oder Mustern angefertigten Formsteine in allen Größen und Gewichten. Zu einem Spezialgebiet hat sich die Fertigung von Ausmauerungen für Zimmeröfen und Herde, sowie die Belieferung des keramischen Ofenbaus entwickelt. Zum Vermauern der Chamottesteine wird den betreffenden Qualitäten genau angepaßter Chamottemörtel und für Schnellreparaturen selbst abbindender Feuerbeton geliefert. Auch die Klinkerherstellung basiert auf den örtlichen Rohstoffvorkommen, deren spezielle Eigenschaften die Fabrikation eines dicht gesinterten harten Eisenklinkers von höchster Druckfestigkeit ermöglichen. Dem Brennen dieser Steine dienen ein direkt befeuerter Kammer-Ringofen, sowie ein neuerstellter gasbeheizter Tunnelofen, in Verbindung mit einer neugebauten Klima-Trockenanlage. Außer Steinen im Normalformat, welche fur hochbeanspruchtes Mauerwerk und als wetterbeständige Verblender verwendet werden, sind noch eine ganze Reihe Sonderformate im heutigen Produktionsprogramm enthalten. So vor allem Klinkerplatten für Gehsteige, Hofpflasterungen und hochbeanspruchte Fußbodenbeläge in Industrie und Landwirtschaft, Klinkerwandplatten (Spaltplatten), die in ihrer natürlichen Farbschönheit eine zugleich dauerhafte Wandverblendung ermöglichen, welche zudem, wie auch alle anderen Klinkererzeugnisse, den Vorteil der Säurefestigkeit hat. In immer weiterem Umfange führt sich auch die Verwendung von Klinker-Riemchen zur Verblendung von Fassaden ein.